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de Lauretis, Teresa (1987): Technologies of Gender. Essays on Theory, Film, and Fiction [kommentiert (D)]. Bloomington/Indianapolis: Indiana University Press.



Kommentiert von Anna Babka (Stand: 6.10.03)

Teresa de Lauretis zählt zu den bekanntesten und einflussreichsten nordamerikanischen feministischen FilmtheoretikerInnen. Der Essay "The Technology of Gender", gleichsam die theoretische Einführung zu ihrem Sammelband, in dem sie close readings und Analysen verschiedener medialer Formen, wie die von Romanen, textuellen Praktiken aus der italienischen Frauenbewegung, Experimentaltheater, Dokumentationen und Filmen erprobt, geht der Frage nach, wie gender jenseits der Grenzen der sexuellen Differenz theoretisiert werden kann.

Der Titel des Essays sowie die konzeptuelle Grundlage nimmt Anleihen an Foucaults Theorien zur Sexualität als "technology of sex". Lauretis schlägt vor, dass gender sowohl als Repräsentation als auch als Selbst-Repräsentation das Produkt verschiedener sozialer Technologien ist (ix). Sie geht jedoch insofern über Foucault hinaus, als dieser Geschlechterfragen unberücksichtigt lässt, und bezieht Louis Althussers Theorie der ideologischen Interpellation in ihre Überlegungen zur (Selbst-)Repräsentation von gender mit ein. Das 'weibliche Subjekt' des Feminismus denkt de Lauretis als über eine Vielheit von Diskursen, Positionen und Bedeutungen konstruiert, die in sich widersprüchlich und konfliktgeladen sind. Eine feministische Theorie verlangt daher nach einer multiplen Konzeption des Subjekts, also einer exzessiven oder heteronomen 'Entität' angesichts der ideologischen Staatsapparate und der soziokulturellen Technologien von gender (x).

De Lauretis siedelt die sexuelle Differenz auf der Seite des biologischen Determinismus und gender auf der Seite kultureller Konstruktion an. Gender ist nicht einfach ein grammatikalischer Begriff, sondern die Repräsentation von Beziehungen, die als fortwährende soziale Konstruktionen funktionieren (4). Dagegen schränkt das Denken sexueller Differenz kritische feministische Interventionen innerhalb des konzeptuellen Rahmens einer universalen Geschlechteropposition ein und verhindert so, Differenzen zwischen Frauen zu artikulieren (2). De Lauretis fordert, dass die gedachte Verbindung zwischen sex und gender, die gender als abgeleitet vom biologischen Geschlecht erscheinen lässt, aufgebrochen und dekonstruiert werden muss. Nach Lauretis ist gender nicht eine Eigenschaft der Körper; vielmehr ist es Produkt sozialer Technologien (3). Gender ist eine Konstruktion und zugleich mehr als das: "The construction of gender is both the product and the process of its representation." (5)

De Lauretis' Dekonstruktion hat jedoch ihre Grenzen. Sie verwehrt sich u.a. gegen Derridas scheinbar ahistorische, rein textuelle Konzeption von Weiblichkeit sowie gegen Foucaults und Lyotards Verschiebung der sexuellen Basis von gender hin zu einem Körper 'diffuser Lüste' oder 'libidinös besetzter Oberflächen' (24). Gegen die dekonstruktive Dezentrierung des Subjekts argumentiert sie, dass "this kind of deconstruction of the subject is effectively a way to recontain woman in femininity (Woman) and to reposition female subjectivity in the male subject, however that will be defined" (24).

Siehe auch: Repräsentation (D); Konstruktion (D); Subjekt (D); Interpellation (D)

Literaturhinweise
•  Althusser, Louis (1977): "Ideologie und ideologische Staatsapparate (Anmerkungen für eine Untersuchung) [kommentiert (D)]"
•  de Lauretis, Teresa (1993): "Der Feminismus und seine Differenzen"
•  Foucault, Michel (1983): Sexualität und Wahrheit I: Der Wille zum Wissen [kommentiert (D)].






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