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Haraway, Donna J. (1991): "A Cyborg Manifesto: Science, Technology, and Socialist Feminism in the Late Twentieth Century [kommentiert (D)]", in: Haraway, Donna J. (Hg.): Simians, Cyborgs, and Women: The Reinvention of Nature. New York: Routledge, 149-181 [abgedruckt auch in: Nicholson, Linda J. (Hg.): Feminism/Postmodernism. New York: Routledge 1990, 190–233.].



Kommentiert von Anna Babka (Stand: 6.10.03)

In ihrem Essay "A Cyborg Manifesto" schlägt Donna Haraway vor, das postmoderne Selbst über die Figuration des/der Cyborg zu denken sowie den Begriff des Menschlichen zu denaturalisieren und zu hybridisieren. Im Brennpunkt stehen die Oppositionen Mensch/Tier, Mensch/Maschine. Mit der Kunstfigur des Cyborgs kommt auch das hybride Geschlecht ins Spiel. In den Cyborgs manifestiert sich die Disjunktion des 'klassischen' Körpers: "The cyborg is a creature in a post-gender world; it has no truck with bisexuality, pre-oedipal symbiosis, unalienated labor, or other seductions to organic wholeness through a final appropriation of all the powers of the parts into a higher unity." (150) Damit postuliert Haraway auch die Fragmentierung von gender als einer auf binären Strukturen basierende Kategorie. Was als Cyborg figuriert, ist in sich widersprüchlich und paradox. Der/die Cyborg als ein Mischwesen und ein kybernetischer Organismus (cybernetic organism, cyborg) wird zur Leitfigur einer feministischen Politik, die sich auf Technik und Naturwissenschaften beruft, um die materiellen wie auch diskursiven Übergänge bzw. Austauschprozesse zwischen Menschen und Maschinen, Tieren und Dingen, Natur und Kultur zu erfassen.

Haraway argumentiert für die Lust an der Verwirrung von Grenzen, für die Vorstellung einer Welt ohne gender, die vielleicht auch eine Welt ohne Genesis ist, vielleicht auch eine ohne Ende. (150) Mit dem Zusammenbruch der Grenzen zwischen Mensch und Maschine sowie Mensch und Tier stellt sich heraus, dass wir alle "Chimären" sind, "theorized and fabricated hybrids of machine and organism; in short, we are cyborgs" (150).

Indem Haraway eine postmoderne Cyborg-Subjektivität kreiert, fordert sie genau den Binarismus heraus, auf dem die modernistischen Vorstellungen von Subjektivität begründet sind. Strikte Unterscheidungen zwischen Signifikant und Signifikat, Subjekt und Objekt, Wirklichkeit und Repräsentation haben sich im Gefolge poststrukturalistischer Kritik als unhaltbar erwiesen. Haraways Ausweitung dieser Kritik ist im selben Maße ein Produkt postmodernen und poststrukturalistischen Denkens wie ein Beitrag dazu.

Strittig ist jedoch Haraways Tendenz zur Romantisierung der Cyborgs und seiner Metaphern sowie der Vorschlag, darin einen Weg "out of the maze of dualisms in which we have explained our bodies and our tools to ourselves" (181) zu sehen.

Haraways Arbeit erstreckt sich auf Bereiche der Primatologie, Epistemologie, Krebsforschung wie Informationstechnologie. Ihr Einfluss beschränkt sich nicht auf die Reflexion von Identitätsbildungsprozessen mit Blick auf die Politik des 'Anderen', wobei dieses Andere in Begriffen wie 'Rasse', gender, Gattung und Technologie definiert ist, sondern auch auf Science-fiction-Autoren, speziell im Genre des Cyber-Punk.

Siehe auch: Alterität (D); Identität (D); Hybridität (D)

Literaturhinweise
•  Babka, Anna (2002): Unterbrochen. Gender und die Tropen der Autobiographie [kommentiert (D)].
•  Haraway, Donna J. (1995): Monströse Versprechen: Coyote-Geschichten zu Feminismus und Technowissenschaft.






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