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Heintz, Bettina (2001): "Geschlecht als (Un-)Ordnungsprinzip. Entwicklungen und Perspektiven der Geschlechtersoziologie [kommentiert (ST)]", in: Heintz, Bettina (Hg.): Geschlechtersoziologie. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41/2001. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, 929.



Kommentiert von Lutz Ohlendieck, Kiel, 30.9.2002
E-Mail: ohlendieck@gender.uni-kiel.de

Bettina Heintz fragt einleitend nach dem Bestand askriptiver Mechanismen, die scheinbar auch in modernen Gesellschaften ungebrochen Bestand haben. Der von ihr herausgegebene Band versammelt theoretisch unterschiedliche Perspektiven und ist weniger Bestandsaufnahme als Reflexion zu aktuellen Entwicklungen in der Geschlechtersoziologie. Er ist von der theoretischen Konzeption her in drei Themenbereiche gegliedert und folgt in seinem Aufbau der Typologie der luhmannschen Systemtheorie. Zum einen geht es um die Beobachtung von Geschlechterdifferenzen im Kontext der Modernisierung, verstanden als ein Prozess der funktionalen Differenzierung in gesellschaftliche Funktionssysteme. Zum anderen werden, orientiert an Luhmanns Typologie, die Ebenen geschlechtlicher Ungleichheit untersucht: Interaktion, Organisation und (Welt-)Gesellschaft. Der dritte Themenbereich behandelt Problemfelder und Forschungsperspektiven, die nach Heintz' Meinung zukünftig stärker thematisiert werden sollten.

Geschlecht und Modernisierung stehen im Spannungsfeld der Egalisierung der Geschlechterverhältnisse im Zuge funktionaler Differenzierung bei gleichzeitiger Reaktivierung von Geschlechterunterscheidungen in Interaktion und Organisation. Besonders die Asymmetrie zwischen Erwerbssphäre und Privatsphäre scheint für die ständige Reproduktion von Geschlechtsunterschieden verantwortlich zu sein. Die drei (System-) Ebenen geschlechtlicher Ungleichheit sieht Heintz als irreduzibel an und wendet sich damit gegen Begründungs- und Erklärungsansätze, die ausschließlich interaktionstheoretisch ansetzen oder ihren Fokus auf die Ebene der Weltgesellschaft verkürzen. Aber auch komplexere und vielschichtigere Ansätze in der Geschlechterforschung lassen trotz ihrer Materialfülle noch viele Fragen offen. Es bleibt zu erklären, warum Geschlechterungleichheit auch in modernen Gesellschaften fortbesteht. Forschungsperspektiven ergeben sich (1) aus der Problematik der Gleichzeitigkeit von Inklusionen in verschiedenen (Sub-) Systemen, (2) aus der (asymmetrischen) Verschränkung zwischen den verschiedenen Funktionssystemen und (3) durch die vertikale Verknüpfung zwischen den unterschiedlichen Systemebenen.

Siehe auch: Differenzierung, funktionale (ST); Struktur (ST/RK); System/Umwelt (ST/RK); Wahrnehmung (ST/RK)

Literaturhinweise
•  Luhmann, Niklas (1975): Soziologische Aufklärung 2. Aufsätze zur Theorie der Gesellschaft.
•  Luhmann, Niklas (1986): Ökologische Kommunikation. Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen? [kommentiert (ST)].
•  Luhmann, Niklas (1991): "Die Form 'Person'"
•  Luhmann, Niklas (1995): Soziologische Aufklärung 6. Die Soziologie und der Mensch.
•  Pasero, Ursula (1995): "Dethematisierung von Geschlecht [kommentiert (ST)]"






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