Logo

profil______

texte______

glossar______

bibliografie______

service______
   literatursuche
literaturliste
rezensionsforum

Volleintrag


Jensen, Stefan (1999): Erkenntnis.Konstruktivismus.Systemtheorie. Einführung in die Philosophie der Konstruktivistischen Wissenschaft [kommentiert (RK)]. Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag.



KommentatorIn: Natascha Gruber, Wien (10.9.2003)
Email:natascha.gruber@univie.ac.at

Stefan Jensen gibt in dieser Monografie eine sehr gute und leicht lesbare Einführung in die Grundgedanken von Konstruktivismus und Systemtheorie. Durch Wiederholungen und Zusammenfassungen werden einzelne Theorieaspekte vertieft, wodurch sich der Text wie ein Lehrbuch liest. Teil 1 stellt die philosophischen Problemlagen vor, aus denen sich Konstruktivismus und Systemtheorie entwickelt haben. Die Frage nach dem Verhältnis von Wissen und Wirklichkeit und das damit verbundene Begründungsproblem von Erkenntnis hat die westliche Philosophie seit ihren Anfängen in der Antike beschäftigt. So wie es in der abendländischen Denkgeschichte Bemühungen gab, die Objektivität von Wissen zu sichern, so gab es auch immer schon Zweifel an derartigen Begründungsversuchen. Diese skeptische Linie ist eine der philosophiegeschichtlichen Wurzeln des Konstruktivismus, die Jensen in Teil 2 nachzeichnet.

Neben der historischen Entwicklung des Konstruktivismus stellt dieser Buchabschnitt auch zentrale konstruktivistische Thesen dar. Jensen unterscheidet zwischen einem älteren und einem neueren Konstruktivismus. Während der Operationalismus von Hugo Dingler oder Paul Lorenzen noch dem Problem der Letztbegründung gewidmet ist, gibt der neuere Konstruktivismus, der Anfang der 70er Jahre von den USA seinen Ausgang nahm, diese Fragestellung auf. Er nimmt stattdessen in der Theorie der Beobachtung die Subjektseite von Erkenntnis als erkenntnisstiftende Operation in den Blick. Auch im künstlerischen Konstruktivismus, dem Jensen ein eigenes Kapitel widmet, wird das Phänomen der Beobachtung und der gesellschaftlichen Wahrnehmungskommunikation thematisiert. Teil 3 führt in die Grundbegriffe der allgemeinen Systemtheorie ein und diskutiert ihre Anwendung in den Sozialwissenschaften. Jensen zeigt die Herkunft dieser transdisziplinären Theoriebildung aus der Abstraktion biologischer Beschreibungsmodelle und demonstriert dies an der verallgemeinernden Anwendung des Konzepts der Autopoiesis auf verschiedene Systemarten. Er beurteilt die Übertragung von molekularbiologischen Prozessen auf den Bereich kultureller Sinnzusammenhänge zunächst als problematisch, hält jedoch Luhmanns Theorie selbstreferenzieller Systeme für ein 'geniales Konzept', das sich, wenngleich um den Preis eines hohen Abstraktionsniveaus, aus biologischen Argumentationen gelöst habe. Persönlich favorisiert Jensen einen "systemischen" Konstruktivismus, der das biologische bzw. neurophysiologische Erklärungsmodell der Kognition mit der sozialen Dimension von Erkenntnis verbindet.







Siehe auch: De-Ontologisierung (ST/RK); Kognition (ST/RK); Konstruktion (ST/RK); System/Umwelt (ST/RK); System, soziales (ST/RK); Leitdifferenz (ST); Autopoiesis (ST/RK); Verstehen (ST/RK); Viabilität (RK); Funktion (ST/RK); Kommunikation (ST/RK); Beobachtung (ST/RK)

Literaturhinweise
•  Becker, Frank / Reinhardt-Becker, Elke (2001): Systemtheorie. Eine Einführung für die Geschichts- und Kulturwissenschaften..
•  Glasersfeld, Ernst von (1985): "Einführung in den radikalen Konstruktivismus [kommentiert (RK)]"
•  Krieger, David J. (1996): Einführung in die allgemeine Systemtheorie.
•  Luhmann, Niklas (1984): Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie [kommentiert (ST)].
•  Reese-Schäfer, Walter (1996): Luhmann zur Einführung.
•  Watzlawick, Paul (Hg.) (1985): Die erfundene Wirklichkeit. Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben? Beiträge zum Konstruktivismus.






home __ profil __ texte __ glossar __ bibliografie __ service

© 2003 produktive differenzen | impressum und kontakt | website: datadive