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McNay, Lois (1992): Foucault and Feminism. Power, Gender and the Self [kommentiert (D)]. Cambridge: Polity Press.



Kommentiert von Gerald Posselt, Wien (Stand: 6.10.03)

Ausgangspunkt von McNays Monographie zu Foucault ist das problematische Verhältnis von Poststrukturalismus und feministischer Theorie sowie die Frage nach den Konsequenzen, die sich aus dieser theoretischen Allianz für das emanzipatorische und politische Projekt des Feminismus ergeben. McNay räumt ein, dass sich der Bezug auf poststrukturalistische Positionen - insbesondere hinsichtlich der Kritik des (männlichen) Subjekts der Metaphysik und der essentialistischen Tendenz, 'Frauen' über invariante, universale Charakteristika als eine globale Schwesternschaft zu konstruieren - als durchaus fruchtbar für den Feminismus erwiesen hat.

Was Foucault betrifft, so konzentriert sich nach McNay die feministische Theorie hauptsächlich auf seine Arbeiten der 70er Jahre, vor allem auf Überwachen und Strafen und den ersten Band von Sexualität und Wahrheit. Von Interesse ist hier neben Foucaults Analyse der Machtverhältnisse vor allem seine These, dass sowohl die Körper als auch die Sexualität, die diese formiert und reguliert, durch die Machtdispositive konstruiert werden. Dennoch erkennt McNay Grenzen in Foucaults Analyse der Macht und des Körpers: Wenn Foucaults Theorie soziale Aktanten auf formbare Körper in den Fängen einer unerbittlichen Disziplinarmacht reduziert, wo bleibt dann noch Raum für eine Theorie der Handlungsfähigkeit und der Subjektivität, die dem fundamentalen Ziel des feministischen Projekts gerecht wird: der Wiederentdeckung und Neubewertung der Erfahrungen von Frauen?

Eine mögliche Antwort auf diese Fragen glaubt McNay vor allem in Foucaults wenig beachteten späteren Arbeiten zu einer Ethik des Selbst und einer Theorie der aktiven Selbstformung (self-fashioning) zu finden. Gegen eine Vereinnahmung Foucaults als einem vermeintlich postmodernen Denker argumentiert sie, dass seine Theorie der Selbstpraktiken als Versuch gelesen werden kann, die zentralen Konzepte der Aufklärung wie Autonomie und Emanzipation wieder aufzunehmen und umzuarbeiten.

Siehe auch: Körper (D); Diskurs (D); Macht (D); Subjekt (D); Identität (D)

Literaturhinweise
•  Benhabib, Seyla / Butler, Judith / Cornell, Drucilla / Fraser, Nancy (1993): Der Streit um die Differenz. Feminismus und Postmoderne in der Gegenwart [kommentiert (D)].
•  Foucault, Michel (1983): Sexualität und Wahrheit I: Der Wille zum Wissen [kommentiert (D)].
•  Foucault, Michel (1994): Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses [kommentiert (D)].






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