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Foerster, Heinz von (1993): "Die Gesetze der Form [kommentiert (RK)]", in: Baecker, Dirk (Hg.): Kalkül der Form. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 9-11. [engl.: "Laws of Form", Rezension von George Spencer Brown, Laws of Form, in: Whole Earth Catalog, Palo Alto: Portola Institute 1969, 14ff. Aus dem Englischen von Dirk Baecker].



KommentatorIn: Natascha Gruber, Wien (10.9.2003)
Email:natascha.gruber@univie.ac.at

George Spencer Browns "Laws of Form", erstmals 1969 erschienen, gilt als Grundlagentext sowohl für den Radikalen Konstruktivismus als auch für die soziologische Systemtheorie. Heinz v. Foerster hat als einer der ersten die herausragende Bedeutung des Differenzkalküls von G. S. Brown erkannt und noch im selben Jahr eine Rezension geschrieben, die in dem Sammelband von Dirk Baecker erstmals in deutscher Sprache erschien. In seiner für ihn charakteristischen luziden und prägnant gefassten Sprache bringt von Foerster die Kernaussagen des Kalküls auf den Punkt. Die Quintessenz, auf dem das gesamte Kalkül fußt, ist die einfache Aufforderung: "Triff eine Unterscheidung!" Anhand dieses elementaren Aktes gelingt es Brown, eine Arithmetik, eine Algebra und eine Logik aufzubauen. Browns einziger, aber genialer Baustein ist die Einführung eines Operators bzw. einer "Markierung" als Zeichen für das Treffen einer Unterscheidung. Er löse damit, so von Foerster, das "Mysterium", das schon Wittgenstein beschäftigt hat, nämlich die Beobachtung, "daß die Welt, die wir kennen, auf eine Art und Weise konstruiert ist, die sie befähigt, sie selbst zu sehen" (10). Von Foerster zitiert zwei basale Axiome Browns. Als Beispiel für "the law of calling" führt er das Zeichnen eines Kreises auf einem Blatt Papier an.

Die Linie, als Grenze des Kreises, legt eine Unterscheidung zwischen dem Innen und Außen des Kreises fest und bietet so die Möglichkeit der Referenz. Daran schließt, "the law of crossing" an, die Aufforderung, sich auf eine der beiden Seiten zu beziehen und die Bezugnahme als Zustand zu bezeichnen bzw. zu markieren. Auf der Basis dieser einfachen Grundideen entwickelte G. S. Brown eine immer komplexer werdende formale Notation in der, so bemerkt v. Foerster begeistert, im Gegensatz zu dem Zusammenstoß von "wahr" und "falsch" in der klassischen Logik, das System "bistabil" wird. Es flippt von einem Wert zum anderen und generiert auf diese Weise Zeit. Die schwierige Lektüre von Browns in der Formensprache der Logik abgefassten Textes werde, so beruhigt der Rezensent die LeserInnen abschließend, durch 30 Seiten Anmerkungen erheblich erleichtert und er empfiehlt eine parallele Lektüre von Hauptteil und Anmerkungsteil - ein "Mindestalter" für die Lektüre sei nicht erforderlich.







Siehe auch: Bewusstsein (ST/RK); Form/Medium (ST); Rekursion (RK); Selbst-/Fremdreferenz (ST); Zeichen (ST/RK); Struktur (ST/RK); Repräsentation (RK)

Literaturhinweise
•  Baecker, Dirk (Hg.) (1993): Kalkül der Form.
•  Brown, George Spencer (1997): Laws of Form. Die Gesetze der Form. Aus dem Englischen von Thomas Wolf.
•  Luhmann, Niklas (1988): "Frauen, Männer und George Spencer Brown [kommentiert (ST)]"
•  Luhmann, Niklas (1990): Die Wissenschaft der Gesellschaft [kommentiert (ST)].






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