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Butler, Judith / Cornell, Drucilla (1998): "The Future of Sexual Difference: An Interview with Judith Butler and Drucilla Cornell [kommentiert (D)]", in: Diacritics 28 (1), 19-42 [Special Issue: Irigaray and the Political Future of Sexual Difference, ed. by Pheng Cheah and Elizabeth Grosz].



Kommentiert von Gerald Posselt, Wien (Stand: 6.10.03)

Dieser Text ist die Transkription eines Interviews, das Pheng Cheah und Elizabeth Grosz im Oktober 1997 mit Drucilla Cornell und Judith Butler über ihr Verhältnis zu der französischen Philosophin und Feministin Luce Irigaray (*1932) geführt haben. Abgedruckt ist das Interview in einer Sonderausgabe von Diacritics zum Denken Irigarays und zur "politischen Zukunft der sexuellen Differenz".

Butler räumt darin ein, dass sie in den 80er Jahren dem Werk Irigarays auf Grund seiner Tendenz zum Essentialimus sehr kritisch gegenüberstand. Später revidiert sie diese Position u.a. inspiriert durch den kritischen Austausch mit Cornell anlässlich eines Rhetorik-Seminars 1995 in Berkeley. Butler schätzt Irigaray für ihre profunde Kenntnis der abendländischen Philosophie und würdigt ihr Konzept der kritischen Mimesis als eine Lektürepraxis, die die kontingente Autorität jener kanonisierten philosophischen Texte, von denen sie als Frau ausdrücklich ausgeschlossen ist, usurpiert (19). Butler betont, dass Irigarays 'Begriff' des Weiblichen weder auf eine Substanz noch eine geistige Realität verweise. Sie stimmt dem Gebrauch des Weiblichen als einer Kategorie zu, "die nicht etwas beschreibt, das bereits existiert, sondern gerade eine bestimmte Art von Zukunft in der Sprache und der Intelligibilität inauguriert, eine Zukunft der Intelligibilität inaugurierend, die noch nicht vollständig bekannt ist." (20)

Für sich selbst nimmt Butler den 'Begriff' des Weiblichen nicht in Anspruch. Ihr Hauptinteresse gilt den Fragen von sex und gender sowie jene Punkten, an denen die Dichotomie von Männlich und Weiblich zusammenbricht (24). In kritischer Distanz zu früheren Arbeiten (vgl. z.B. Gender Trouble) geht sie nun davon aus, dass die Kategorie 'Frau' insofern essentiell ist, als sie eine Kategorie ist, auf die nicht verzichtet werden kann ("without which we can not do") (22).

Im Unterschied zu Butler unterstreicht Cornell ihre langjährige Beschäftigung mit dem Werk Irigarays, wobei vor allem Irigarays Utopismus, der das Weibliche mit der sexuellen Differenz assoziiert, ihr Begriff der Solidarität als einer ersehnten ethischen Beziehung sowie ihr Konzept der kritischen Mimesis im Mittelpunkt stehen.

Einig sind sich Butler und Cornell in der Bevorzugung der frühen Arbeiten Irigarays (Speculum, Das Geschlecht das nicht eins ist) gegenüber ihrem späterem Werk, in dem sie die Gefahr der Universalisierung und Ontologisierung der Zweiheit, des Weiblichen und des Männlichen sehen. Letztlich nehmen sowohl Butler als auch Cornell gegenüber der 'späten' Irigaray eine eher kritische Haltung ein, während die beiden Interviewer Grosz und Cheah für eine Leseweise Irigarays plädieren, die Irigarays Vorstellung der sexuellen Differenz weder auf Zweigeschlechtlichkeit noch auf Heterosexualität reduziert.

Siehe auch: Identität (D); Essentialismuskritik (D)

Literaturhinweise
•  Butler, Judith (1990): Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity [kommentiert (D)].
•  Irigaray, Luce (1977): Das Geschlecht das nicht eins ist.
•  Irigaray, Luce (1980): Speculum. Spiegel des anderen Geschlechts.
•  Irigaray, Luce (1991): Ethik der sexuellen Differenz.






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