Logo

profil______

texte______

glossar______

bibliografie______

service______
  


DekonstruktionSystemtheorie / Radikaler Konstruktivismus

Körper (D)

In der Geschichte der abendländischen Philosophie steht der Körper in der binär-hierarchisierten Opposition von Körper und Geist, Materie und Form, wobei diese Dichotomie im cartesischen Geist-Körper-Dualismus ihre prägnanteste Ausformung erhalten hat. Dieser Dualismus privilegiert das rationale, vernünftige Denken gegenüber der Materialität des Körpers als Träger von Gefühlen, Leidenschaften, Bedürfnissen. Zugleich firmiert der Körper als Garant für 'Natürlichkeit' jenseits prozesshafter historischer oder kultureller Hervorbringung. Im Gegensatz dazu weist das metaphysikkritische Denken des Poststrukturalismus, der Diskursanalyse, der Phänomenologie, des französischen Feminismus (in Anlehnung an die Psychoanalyse Freuds und Lacans) den Körper-Geist-Dualismus zurück und platziert den Körper in einem sozialen, historischen Kontext, der - wie z.B. bei Foucault - als diskursive Macht eine disziplinierende und formierende Wirkung ausübt. Der Körper ist Ort psychischer Projektionen und sozio-kultureller Einschreibungen, die ihn als einen bestimmten, sozial angemessenen Körper konstruieren und konstituieren.

--> Hinsichtlich der Frage der Geschlechterdifferenz ist der Körper die Drehscheibe für Positionskämpfe essentialistischer und dekonstruktiver Provenienz. Butler versucht zu zeigen, dass der vermeintlich natürliche Körper nichts anderes als der naturalisierte Effekt des Diskurses ist und insofern immer schon vergeschlechtlicht ist. Das heißt nicht, dass es keinen materiellen Körper gibt, sondern lediglich, dass der Körper nur intelligibel wird, insofern er diskursiviert ist. Die Iterabilität des diskursiven Ausgrenzungs-/Begrenzungsaktes bedeutet jedoch auch, dass die regulativen Verfahren den Körper nicht absolut zu fixieren und festzuschreiben vermögen. Gendertheoretisch relevant für die Körperproblematik sind auch neueste biotechnologische Entwicklungen und die Möglichkeiten der Manipulation und Veränderbarkeit des physischen Körpers. Donna Haraway reflektiert und thematisiert diese Entwicklungen über die Metapher oder Kunstfigur des/der Cyborg und über die Ethik 'post-humaner' Identitäten. In den Postcolonial Studies wird der sowohl sexuell wie rassisch stigmatisierte Körper zum Austragungsort von Reflexion und Kritik.

© Anna Babka (Stand: 6.10.03)

Siehe auch: Identität (D); Materialität (D); Subjekt (D)

Literaturhinweise
•  Butler, Judith (1993): Bodies that Matter. On the Discursive Limits of "Sex" [kommentiert (D)].
•  Foucault, Michel (1983): Sexualität und Wahrheit I: Der Wille zum Wissen [kommentiert (D)].
•  Foucault, Michel (1994): Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses [kommentiert (D)].
•  Nietzsche, Friedrich (1988): Zur Genealogie der Moral. Eine Streitschrift [kommentiert (D)].

Bibliografie zum Glossareintrag






home __ profil __ texte __ glossar __ bibliografie __ service

© 2003 produktive differenzen | impressum und kontakt | website: datadive