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Argumentationsschwerpunkte
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Inhalt

Die Website produktive differenzen. forum für differenz- und genderforschung ist aus dem Forschungsprojekt "Produktive Differenzen. Geschlechterforschung als transdisziplinäre Beobachtung und Performanz von Differenz" hervorgegangen (im Auftrag des Forschungsschwerpunkts Gender Studies des österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur). Ziel des Projekts ist die transdisziplinäre Verknüpfung und Kontrastierung zentraler zeitgenössischer Theorieansätze – Dekonstruktion einerseits sowie Systemtheorie und Radikaler Konstruktivismus andererseits – im Hinblick auf die Konstruktion, Dekonstruktion und Rekonstruktion von Geschlecht bzw. Gender.

Argumentationsschwerpunkte

Der Terminus Dekonstruktion verweist im vorliegenden Zusammenhang auf theoretische Positionen, Ansätze und Verfahrensweisen, die in kritischer Distanz zu Saussures strukturalistischer Sprachtheorie dem Poststrukturalismus zugeordnet werden können und mit den Namen Jacques Derrida (für die Philosophie) und Paul de Man (für die Literaturtheorie) eng verknüpft sind. Gleichwohl sind für einen 'dekonstruktiven Feminismus' – verstanden als genuin transdisziplinäres Projekt – mannigfaltige Spielarten poststrukturalistischer Theoriekonzeptionen aus Philosophie, Literaturwissenschaft, Soziologie, Psychoanalyse, Kultur- und Medienwissenschaft u.a. relevant.

Der Begriff des Radikalen Konstruktivismus bündelt einen interdisziplinären Diskurs, der strukturelle Bedingungen kognitiver und sozialer Wirklichkeitskonstruktionen thematisiert. Die beobachtungstheoretischen Argumente konstruktivistischer Theorieangebote wurzeln in Humberto R. Maturanas Bioepistemologie, Heinz v. Foersters Kybernetik zweiter Ordnung sowie Ernst v. Glasersfelds konstruktivistischer Kognitionspsychologie. Die Schnittstelle zwischen soziologischer Systemtheorie und Radikalem Konstruktivismus ergibt sich aus Niklas Luhmanns Übertragung kognitionswissenschaftlicher Begriffsangebote auf die Soziologie sowie aus der Prominenz von George Spencer Browns Unterscheidungslogik in beiden Diskursen. Aufgrund der begrenzten Forschungsressourcen bleibt die Darstellung beider Diskursfelder vorerst begrenzt. Beide Richtungen können aufgrund der Netzwerkstruktur des Projekts durch weiterführende Texte in Zukunft beliebig ergänzt werden.

Anschlussstellen

Die Website ist als Einführung in die theoretischen Grundlagen sowie als Vergleich und Dialog differenztheoretischer Positionen im Rahmen der aktuellen Debatten um die Sex-Gender-Dichotomie angelegt. Sie basiert auf der zentralen These der Konstruktivität von Geschlecht in beiden Forschungsrichtungen. Denkmodelle sowohl aus dem Umfeld von Dekonstruktion als auch aus der Systemtheorie und dem Radikalen Konstruktivismus gehen von der Annahme aus, dass weder 'Geschlecht' noch 'Natur' den sozialen Verhältnissen und kulturellen Einschreibungen vorgängig sind. Insofern Geschlechteridentitäten konstruiert sind, erscheinen sie als kontingent und können deshalb – im Rahmen der jeweiligen Konstruktionsbedingungen – dekonstruiert und verändert werden.

Dekonstruktive Theoriebildungen lösen tradierte Bedeutungseinheiten oder Identitäten auf und beschreiben diese als Effekte differentieller Systeme. Sie markieren in rhetorischen Analysen hierarchische Dichotomien wie etwa Präsenz/Absenz, Geist/Materie, Mensch/Maschine oder Mann/Frau etc.) als umkehrbare, verschiebbare Differenzen und nicht als starre Oppositionen. Konstruktivistische Modelle beschreiben die Entstehung von Wirklichkeitsinterpretationen als dynamische Prozesse der Entstehung und Transformation von lebenden, kognitiven und sozialen Systemen. Ihr Interesse gilt der empirischen Beobachtung dieser (Un-)Ordnungsbildungen.

Beide Ansätze versuchen entsprechend, die Bedingungen der Konstruktion sozialer Wirklichkeiten sowie deren Prozesshaftigkeit aufzuzeigen. Sowohl die konstruktivistische Beobachtung als selektive Operation des Unterscheidens als auch die dekonstruktive Bewegung der différance als Temporisation und Verräumlichung lenken den Blick auf differenzbasierte Operationen der Bedeutungsgenese. Die Parallelen zwischen den theoretischen Grundprämissen motivieren den Versuch, Dekonstruktion, Systemtheorie und Radikalen Konstruktivismus innerhalb eines gemeinsamen "Forums für Differenz- und Genderforschung" produktiv gegenüberzustellen und argumentativ zu kontrastieren.

Grenzen und Differenzen

Das Projekt will aber auch Unterschiede deutlich machen und eine Orientierungshilfe im Dschungel der Geschlechter(de-)konstruktivismen geben. Während die Dekonstruktion in textbasierten Lektüren die rhetorische Verfasstheit der Sprache aufzeigt, finden sich im konstruktivistischen Theoriespektrum Ansätze zu einer sozialwissenschaftlich orientierten, empirischen Kommunikationsforschung. Diese theoretische wie methodische Differenz markiert die entscheidende Bruchstelle zwischen den beiden Diskursen und könnte als Einstieg für weiterführende Diskussionen dienen.

Zielsetzungen

Ziele des Forums produktive differenzen sind:

  • die konsequente Weiterentwicklung einer 'post-feministischen' Epistemologie,
  • die Diskussion dekonstruktiver und konstruktivistischer Forschungsstrategien für die Genderforschung,
  • die medientheoretische Reflexion der Korrelation von Geschlechterkonstruktion und neuen Informations- und Kommunikationstechnologien,
  • die transdisziplinäre Vernetzung verschiedener theoretischer Konzeptionen für die Genderforschung,
  • der Aufbau eines Netzwerks von Institutionen und WissenschaftlerInnen.

Die Website produktive differenzen ist als ein dialogorientiertes und transdisziplinäres Projekt angelegt, das neben ein- und weiterführenden Texten ein komparatives Glossar, eine kommentierte Bibliografie und ein interaktives Rezensionsforum umfasst.




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