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Butler, Judith (1993): "Für ein sorgfältiges Lesen [kommentiert (D)]", in: Benhabib, Seyla / Butler, Judith / Cornell, Drucilla / Fraser, Nancy (Hg.): Der Streit um die Differenz. Feminismus und Postmoderne in der Gegenwart. Frankfurt a. M.: Fischer, 122-132 [engl.: "For a Careful Reading", in: Benhabib, Seyla et al.: Feminist Contentions: A Philosophical Exchange. London/New York: Routledge 1994, 127-144].



Kommentiert von Gerald Posselt, Wien (Stand: 6.10.03)

Dieser kurze Artikel ist als ein Postskriptum zum Essay "Kontingente Grundlagen" konzipiert. Butler antwortet hier auf die von Seyla Benhabib und Nancy Fraser formulierte Kritik an ihrer 'postmodernen' Konzeption des Subjekts, der Ich-Identität und der Handlungsfähigkeit (agency) innerhalb von Machtdispositiven. Der Artikel, in dem Butler einzelne Positionen aus Bodies that Matter in knapper und präziser Form vorwegnimmt, bietet einen guten Einstieg in ihre performative Theorie der Geschlechtskonstitution und legt zugleich ihre theoretische Anleihen bei Austin, Benveniste, Derrida, de Man und Nietzsche offen.

Butler grenzt den Begriff der Performativität von jenen Positionen ab, die Performanz in erster Linie als eine dramatische und voluntaristische Aufführung oder Inszenierung eines Selbst begreifen. Ausgehend von John L. Austins How to Do Things with Words, von Derridas Reformulierung des Austinschen Performativitätskonzepts über den Begriff der Iterabilität sowie von Paul de Mans Konzept der Metalepse, das er in seinen Lektüren zu Nietzsche entwickelt, bestimmt Butler Performativität als die konstitutive und produktive Macht der Sprache, die nicht auf die Intentionalität oder Willenskraft eines Individuums zurückgeführt werden kann, sondern "Effekt der historisch abgelagerten sprachlichen Konventionen" (124) ist. Die Wirkungsmacht des Performativums liegt gerade in seiner Wiederholbarkeit kraft der historisch sedimentierten Konventionen, die in jeder performativen Äußerung angerufen und zitiert werden und durch die das Subjekt als das Ich der Äußerung "in sein sprachliches Sein kommt" (125). Die sprachliche Konstitution des Subjekts ist kein einmaliger Prozess, sondern ein zeitlicher Vorgang "innerhalb eines gegebenen Macht- und Diskursgeflechtes", der für "Umdeutung, Wiederentfaltung und subversives Zitat" offen ist. Die Handlungsfähigkeit des Subjekts lokalisiert Butler in den Möglichkeiten der Resignifikation, die durch den Diskurs eröffnet werden.

Siehe auch: Performativität (D); Iterabilität (D); Metalepse (D); Handlungsfähigkeit (D); Sprache (D); Subjekt (D)

Literaturhinweise
•  Austin, John L. (1975): How to Do Things with Words [kommentiert (D)].
•  Benveniste, Émile (1974): "Über die Subjektivität in der Sprache [kommentiert (D)]"
•  Butler, Judith (1993): "Kontingente Grundlagen: Der Feminismus und die Frage der Postmoderne [kommentiert (D)]"
•  de Man, Paul (1979): "Rhetoric of Persuasion (Nietzsche) [kommentiert (D)]"
•  Derrida, Jacques (1988): "Signatur Ereignis Kontext [kommentiert (D)]"






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