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Köck, Wolfram K. (1987): "Kognition-Semantik-Kommunikation [kommentiert (RK)]", in: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 340-373.



KommentatorIn: Natascha Gruber, Wien (11.9.2003)
Email: natascha.gruber@univie.ac.at

Wolfram K. Köck hält in diesem Artikel zunächst fest, dass Kommunikation seit der Publikation den ersten kybernetischen, kommunikationstheoretischen Arbeiten von Norbert Wiener, Claude E. Shannon oder Gerold Ungeheuer zu einem populären und in vielen wissenschaftlichen Disziplinen diskutierten Thema geworden ist. Die Adaption des kybernetischen Vokabulars und die Vieldeutigkeit des englischen Begriffs "communication" führte jedoch seiner Ansicht nach zu einem verwirrenden Gebrauch der Begriffe Information, Code und Zeichen. Er nimmt deshalb eine ausführliche Bestimmung des Kommunikationsbegriffs vor und grenzt ihn von technischen Konzepten der Informationsverarbeitung ab. Zunächst diskutiert Köck das Kommunikationsmodell der Nachrichtentechnik von Shannon, in dem sich Information ausschließlich auf die Übertragung von physikalischen Signalmengen bezieht. Semantische Beziehungen spielen in dieser Theorie der technischen Signalübertragung keine Rolle. Köck hält fest, dass die Übertragung dieses Informationsbegriffs sowohl in die Biologie als auch in geistes- und sozialwissenschaftliche Disziplinen äußerst problematisch ist. Das technische Kommunikationsmodell suggeriere dort eine irreführende semantische Exaktheit, wie z.B. die Vorstellung einer stabilen und eindeutig durch Zeichen abbildbaren Wirklichkeit.

Um den Kommunikationsbegriff für geistes- und sozialwissenschaftliche Bereiche präziser herauszuschälen, arbeitet er unter Rückgriff auf Maturanas Kognitionsmodell mit der Unterscheidung von Interaktion und Kommunikation. Entgegen Watzlawicks Auffassung, dass alles Verhalten und damit jede Interaktion Kommunikation sei, ist Interaktion mit der Umwelt nach Maturana auch ohne Code und ohne Zeichenrepertoire möglich. In seinem Kognitionsmodell bildet erst die hinreichende Homomorphie von konsensuellen Interaktionsräumen zwischen InteraktionspartnerInnen die Voraussetzung für Kommunikation. Kommunikation ist demnach eine spezialisierte Form der Interaktion, die nur zwischen höher entwickelten und zur Konsensbildung fähigen Systemen möglich ist. Zeichen, so Köck, sind grundsätzlich sekundär, sie setzen kognitive Systeme und deren kognitive Realitäten voraus, bilden diese aber nicht ab. Er schlägt entsprechend vor, Kommunikation "als Bezeichnung einer Klasse spezifischer intentionaler Interaktionen zwischen Lebewesen aufzufassen, jener Interaktionen nämlich, die vermittelt, über Medien, also mit Hilfe von Zeichen ablaufen." (359)

Bedeutungen als Elemente autopoietischer Kognitionsprozesse, so führt Köck mit Maturana weiter aus, werden von kognitiv aktiven Subjekten konstruiert. Bedeutungen von Zeichen bzw. von Informationen beziehen sich deshalb auf die Interaktionspotenziale kognitiver Systeme und ihre jeweiligen Zustände. Sie entstehen ontogenetisch im interaktiven Austausch mit der jeweiligen sozialen Umwelt. Entscheidend für die Entwicklung einer empirischen Semantik ist, dass die Intention und Interpretation, Gemeintes und Verstandenes nicht ident sind, ein Gedanke, den Köck in folgende Formel fasst: "Was immer du sagst, ich verstehe, was ich verstehe bzw. was immer ich verstehe, verstehe ich bzw. meine ich, egal was ich sage ..." (369). Menschen können aber auch, so Köck, sehr komplexe Interaktionspotenziale ausbilden, die keiner differenzierten Semiose oder Sprache bedürfen. Er führt als Beispiele die körperlichen oder handwerklichen Fertigkeiten von SportlerInnen und KünstlerInnen sowie die Fertigkeiten Behinderter an. Sprache, so Köck, sei keineswegs der exklusive Schlüssel zu Welt.







Siehe auch: Kommunikation (ST/RK); Beobachtung (ST/RK); Konstruktion (ST/RK); Funktion (ST/RK); Kognition (ST/RK); Wissen (ST/RK); Semantik (ST); Verstehen (ST/RK); Zeichen (ST/RK); Rekursion (RK)

Literaturhinweise
•  Köck, Wolfram K. (2002): "Menschliche Kommunikation: 'konstruktivistische' Aspekte"
•  Krippendorf, Klaus (1994): "Der verschwundene Bote. Metaphern und Modelle der Kommunikation"
•  Maturana, Humberto R. (1987): "Biologie der Sozialität [kommentiert (RK)]"
•  Merten, Klaus / Schmidt, Siegfried J. / Weischenberg, Siegfried (Hg.) (1994): Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einführung in die Kommunikationswissenschaft..






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