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Rusch, Gebhard (1999): "Eine Kommunikationstheorie für kognitive Systeme. Bausteine einer konstruktivistischen Kommunikations- und Medienwissenschaft [kommentiert (RK)]", in: Rusch, Gebhard / Schmidt, Siegfried J. (Hg.): DELFIN 1997. Konstruktivismus in der Medien- und Kommunikationswissenschaft. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 150-184.



KommentatorIn: Natascha Gruber, Wien (11.9.2003)
Email: natascha.gruber@univie.ac.at

Gebhard Rusch entwickelt in diesem sehr klar strukturierten Artikel theoretische Bausteine zu einer konstruktivistischen Kommunikations- und Medientheorie und illustriert seinen Text mit übersichtlichen Grafiken und Diagrammen. Rusch erläutert zunächst die für das Verständnis eines konstruktivistischen Kommunikationsbegriffes wichtigen Konzepte der Kybernetik 1. und 2. Ordnung sowie die aus der Autopoiesis-Theorie stammenden Konzepte der operationalen Geschlossenheit und der strukturellen Kopplung. Er differenziert zwischen strukturell-kognitiver Kopplung und sozial-kommunikativer Kopplung und unterteilt Kopplungsaktivitäten in performative (Körperbewegungen, Lautäußerungen) und mentale Kopplungen (perzeptive, rezeptive Prozesse wie Beobachten, Zuhören, Vorstellen, etc.).

Nach einer kognitionstheoretischen Grundlegung entfaltet Rusch, ausgehend von Maturanas Kommunikationsbegriff, ein konstruktivistisches Kommunikations- und Medienmodell, in dem Kommunikation als Orientierungs- und Kopplungsaktion definiert ist. Nach Maturana baut Kommunikation auf konsensuellen Wirklichkeitsbereichen auf, wodurch immer weitere Möglichkeiten zur Konsensbildung geschaffen werden. Orientierungsaktionen sind auch dann kommunikative Handlungen, wenn sie bezüglich ihrer Orientierungsziele erfolglos bleiben. In diesem Sinne ist Verstehen kein konstitutives Merkmal von Kommunikation. "Kommunikation ist keine Technik der Bedeutungsübertragung, sondern ein Tool zur Orientierung von Interaktionspartnern vermittels der Produktion, Präsentation und Adressierung von Kommunikatbasen." (170)

Im Unterschied zum Sender-Empfänger-Modell der Informationstheorie operiert das konstruktivistische Kommunikationsmodell mit den Begriffen Kommunikator und Adressat. KommunikatorInnen und AdressantInnen erzeugen in kommunikativen Akten Kommunikatbasen, das sind Kommunikationsangebote. Die Teilnahme an Kommunikationsprozessen erfordert Aufmerksamkeit, d.h. eine mentale Kopplung durch Hinwendung, Beobachtung und Hinhören. Anhand von Skinners Begriff verbaler und sozialer Episoden erläutert Rusch den Begriff "Kommunikationsepisoden". Diese entstehen durch soziale und kommunikative Kopplung, wenn KommunikationsteilnehmerInnen Orientierungsakte wie reaktives oder aktives Handeln vollziehen. In jedem Fall sind Kommunikationsakte, unabhängig vom Kommunikationserfolg, immer bedeutsam und folgenreich, zumindest in affektiver und kognitiver Weise für den/die KommunikatorIn. Eben weil Kommunikation auch ignorierbar ist, geht es in Kommunikationssituationen darum, die Aufmerksamkeit auf Kommunikatbasen zu lenken - ein Faktum, das im Bereich der Werbung bedeutsam ist. Abschließend geht Rusch auf das Thema Medien als Orientierungsmittel ein. Kommunikationsgemeinschaften bilden spezielle Mediensysteme und Kommunikationsmittel aus. Mediensysteme beinhalten, so Rusch, zunehmend reine Rezeptionsmedien, die keiner Orientierungsintention sondern bloß der Unterhaltung dienen, d.h. die Orientierungstätigkeit oder der Mitteilungsaspekt kann in diesem Fall sogar irrelevant sein.






Siehe auch: Kognition (ST/RK); Kopplung, strukturelle (ST/RK); Mediensystem (RK); Beobachtung (ST/RK); Kommunikation (ST/RK); Medienschema (RK); Konstruktion (ST/RK); System/Umwelt (ST/RK)

Literaturhinweise
•  Merten, Klaus / Schmidt, Siegfried J. / Weischenberg, Siegfried (Hg.) (1994): Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einführung in die Kommunikationswissenschaft..
•  Rusch, Gebhard (1987): Erkenntnis, Wissenschaft, Geschichte. Von einem konstruktivistischen Standpunkt.
•  Rusch, Gebhard (1996): "Konstruktivismus. Ein epistemologisches Selbstbild [kommentiert (RK)]"
•  Schmidt, Siegfried J. (1991/80): Grundriß der Empirischen Literaturwissenschaft. Mit einem Nachwort zur Taschenbuchausgabe.

Externe Links
•  Homepage Gebhard Rusch





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